REPORT PSYCHOLOGIE 5/2010
rezensionen

Praxis der Arbeit mit Hochbegabten

Seibt, Hagen & Nagel, Petra (Hrsg.): Praxis der Arbeit mit Hochbegabten. 25 Berichte aus dem Arbeitskreis Hochbegabte/Potenziale. Münster: LIT Verlag; 2009; ISBN 978-3-643-10215-7; 19,90 €

Ziele des Buches

Das Buch kann durch die unterschiedlichen Erfahrungen der Autoren dazu beitragen, das Gesamtphänomen »Hochbegabung« besser zu verstehen. Dabei ist es den Herausgebern wichtig, gerade die Unterschiedlichkeit der Einzelphänomene und der Ansätze, mit der Hochbegabung umzugehen, zu betonen. Das Buch erhebt nicht den Anspruch auf Vollständigkeit.

Zielgruppen des Buches
Psychologen, die mit Hochbegabten arbeiten, Pädagogen, Lehrer, interessierte Laien mit Vorkenntnissen.

Wie liest sich das Buch?
Die einzelnen Artikel laden eher zum Stöbern und Schmökern ein als zum vollständigen Lesen. Dadurch kann man die Lektüre unterbrechen und spontan mit dem nächsten Beitrag fortsetzen. Es gibt eine Kröte, die der geneigte Leser schlucken muss: Durch die Unterschiedlichkeit der Autoren und ihrer Ansätze muss man sich immer wieder neu auf den jeweiligen Duktus einstellen. So sind einige Autoren das Schreiben gewohnt, sie arbeiten zum Beispiel mit Zwischenüberschriften oder fassen sinnvoll zusammen. Andere Artikel bestehen aus einem einzigen Block. Einige Beiträge berichten von konkreten Herangehensweisen, die von wissenschaftlichen Erkenntnissen abgeleitet sind, viele greifen jedoch einen Einzelaspekt heraus, der zum Teil bis ins kleinste Detail vertieft wird. Auch wird teilweise die Perspektive gewechselt, und Erfahrungen werden aus der Sicht der Betroffenen geschildert. Dieser Mix unterschiedlicher Betrachtungsweisen und Schreibstile fordert etwas Geduld vom Leser, die sich aber lohnt. Denn gleichzeitig ist das Buch dadurch auch immer wieder erfrischend.

Wie gut informiert das Buch die Zielgruppe?
Die unterschiedlichen Artikel sprechen alle Zielgruppen an. Trotz der versuchten Untergliederung des Buches in die drei Themenbereiche »Diagnostik«, »hochbegabte Problemkinder« und »Ansätze zur Förderung« muss sich jeder Leser die Rosinen selbst herauspicken. Es gibt Überschneidungen, doch sind diese zufällig und nicht gewollt oder abgestimmt (was aber schön gewesen wäre, etwa um wichtige Aspekte zu betonen).

Stärken des Buches
• Sehr bunter Strauß um das Thema Hochbegabung herum: Für jede Frage ist etwas dabei
• Unterschiedliche Blickwinkel.
• Berichte aus der Sicht von erfahrenen Praktikern.
• Sehr persönliche, zumeist subjektive Artikel, die den Leser ansprechen.

Schwächen des Buches
• Unterschiedliche Schreibstile, Gliederungen, Schwerpunktsetzungen in den Artikeln.
• Keine Gliederungsvorgaben, die das schnelle Lesen der Artikel und das Erkennen (»das wurde schon behandelt«) erleichtern würden.
• In mehreren Artikeln wird die Interpretation der Einzelerfahrung höher gewichtet als wissenschaftliche Erkenntnisse.

Für wen lohnt es sich, das Buch zu kaufen?
Das Buch ist ein Gewinn für alle Zielgruppen. Experten gewinnen Einblick in die Praxis von Kollegen. Psychologen, die sich noch wenig mit dem Thema befasst haben, bekommen einen Überblick über die vielfältigen Aspekte des Umgangs mit Hochbegabten. Der interessierte, mit der Thematik bereits grundlegend vertraute Laie bzw. Betroffene findet mutmachende Erfahrungsberichte.

Thomas Römer, Hamburg

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